Reisetagebuch Fjord-Norwegen: Mit dem Magirus nach Skandinavien

Magirus im SchneeDie Gruppe dieser Tour bestand aus:
Klaus, genannt „Pirx“ und seinem bewährten 911er Mercedes-Hauben-LKW
und meiner vierköpfigen Familie, bestehend aus meiner Frau Elke und meinen beiden Töchtern mit Spitznamen Bitha (4 Jahre) und Jo (1 Jahr), mir und natürlich unserem Magirus Mercur mit Spitznamen „Dius“.

Vorab:
Einige Jahre gehört unser Magirus nun schon zur Familie, wir hatten ihn in den Jahren stückchenweise immer ein wenig weiter ausgebaut, durch andere Bereifung ein wenig schneller gemacht und ihm in Erwartung der hohen Treibstoffpreise für die Norwegenreise zusätzlich zum kleinen 90-Liter Serientank einen 180-Liter Kraftstofftank eingebaut. Die Rücksitzbänke im Wohnraum bekamen kurz vor Abreise noch Beckengurte damit die Kinder während der Fahrt auch bequem und sicher in ihren Kindersitzen sitzen konnten.
Längere Urlaube hatten wir mit dem Fahrzeug bis dahin nicht gemacht, auch wenn wir mit ihm an so manchem verlängerten Wochenenden schon kreuz und quer durch Deutschland getingelt waren. Diese Reise war also nun die erste richtige Urlaubs-Tour die wir mit ihm und den zwei Kindern unternahmen!

Am Vortag der Abreise fuhr ich vormittags noch schnell zum TÜV um das Fahrzeug auch in den Fahrzeugpapieren offiziell als Wohnmobil eintragen zu lassen. Grund: Wir hatten auf der Fähre einen günstigen Wohnmobiltarif gebucht und falls die Fährgesellschaft die Fahrzeugpapiere kontrollieren sollte, wollte ich beim Einchecken jede Diskussion über die Wohnmobileigenscheinschaften unseres doch recht aussergewöhnlichen Fahrzeugs vermeiden!
Da Bitha unbedingt zum TÜV mitkommen wollte, nahm ich sie mit und hatte zum Erstaunen aller wirklich keine Probleme bei der Umschreibung – sie hat den angeblich manchmal recht brummigen Prüfer blitzschnell um ihre kleinen Finger gewickelt!

Dann, am Donnerstag den 30.05.02 ging es von Stuttgart aus endlich los – immer ´gen Norden sollte es die ersten gut 1.200 Kilometer bis nach Frederikshavn an der Nordspitze Dänemarks gehen, denn dort erwartete uns am Samstag den 01.06. früh morgens die Fähre der Stena-Line nach Oslo. Dies bedeutet für uns aber erst einmal eine zweitägige, absolut langweilige Fahrt auf den Autobahnen quer durch Deutschland und Dänemark! Zwei Übernachtungen waren eingeplant, einmal kurz hinter Hamburg auf ungefähr der Hälfte der Strecke irgendwo auf einer Autobahnraststätte und ein zweites mal dann in der Nähe des Hafens von Frederikshavn in Erwartung der Fährabfahrt am nächsten Morgen.

Alles verlief weitgehen reibungslos, nur eine kleine Begebenheit sollte vielleicht erwähnt werden, da sie mich die längste Zeit des Urlaubs doch ganz ordentlich beschäftigte: Kurz vor Hamburg stiess mir die auf der Beifahrersitzbank schlafende Bitha mit dem Fuss und bei voller Fahrt, den Schalthebel vom 5ten in den 4ten Gang. Ich versuchte zwar noch Auszukuppeln, konnte aber nicht verhindern das es ganz fürchterlich im Getriebe krachte. Nach einem kurzen Schreck und Neueinlegen des Ganges, konnten wir die Fahrt aber erst einmal fortsetzen – das Getriebe schien die Aktion ohne erkennbaren Schaden überstanden zu haben. Doch ca. 20 Minuten später hörte man direkt in der Einfahrt des Elbtunnels aus dem Bereich unter dem Fahrerhaus schabende, metallische Geräusche. Na, ich sah den Urlaub schon demnächst beendet und erwartete die nächsten Wochen ständig den Exitus des Getriebes oder eines anderen Bauteils des Antriebsstrangs. Da die Geräusche aber immer nur bei Geschwindigkeiten über 80 km/h auftraten, und ich auch bei genauerer und näherer Untersuchung keinen von aussen sichtbaren Defekt finden konnte, reduzierte ich in Abstimmung mit Klaus unser Reise-Dauertempo vorsichtshalber erst einmal von den gewohnten 85 km/h auf ca. 80 km/h. Die Suche nach der Ursache des Geräuschs war eine fast unendliche Geschichte die mich die meiste Zeit der Reise begleiten sollte – und die Auflösung des Rätsels war fast schon erheiternd. Mehr dazu später bzw. im Laufe des Berichts.

In Dänemark steuerte zur Abwechslung sogar meine Frau mal einige Zeit den LKW – er ist mit dem unsynchronisierten Getriebe und ohne Servolenkung für sie leider doch sehr gewöhnungsbedürftig und da bieten sich langweilige Autobahnstrecken zur Eingewöhnung geradezu an. Leider blieb es der einzige Fahrerwechsel für den Rest des Urlaubs.

Auf der Fähre von Frederikshavn nach Oslo hatten wir uns für die ca. 8 Stunden dauernde Überfahrt eine kleine Kabine reserviert – obwohl das bei den Tagesüberfahrten nicht zwingend notwendig ist. Aber die Gelegenheit sich zu Rasieren, eine Dusche zu nehmen und sich auch mal ein paar Minuten hinzulegen haben wir nach zwei „Aussenübernachtungen“ und mit den Kindern und einer Menge Tagesgepäck gerne angenommen!

In Oslo haben wir dann erst mal einige Tage auf dem Ekeberg-Campingplatz verbracht und uns die verschiedensten Museen (Wikinger, Kon Tiki, Fram, …) angeschaut. Das anhaltend schöne Wetter nutzte ich aber auch um nach dem Schleifgeräusch am Magirus zu suchen. Ohne Ergebnis – aus lauter Frust habe ich dann zumindest das Ventilspiel des Motors nochmal überprüft.

Am Dienstag den 04.06. ging es dann los Richtung der Hafenstadt Bergen – auf halber Strecke dorthin liegt die sogenannte Rabenschlucht deren Besuch in einem unserer beiden Reiseführer sehr empfohlen wird. Für uns Fahrer war die Anfahrt dorthin schon ein kleiner Nervenkitzel, denn nur eine enge und steile Schotterpiste sollte zum Aussichtspunkt führen. Dies kam unseren Wünschen und den allradgetrieben Fahrzeugen natürlich sehr entgegen, auch wenn zur Bewältigung des Strecke absolut kein Allradantrieb notwendig war. Viel eher musste man auf die vielen Schaf- und Ziegenherden aufpassen ,die den Straßenrand und nicht selten auch die Straße selbst bevölkerten. Alle unsere Erwartungen an die Piste und auch die extreme Schlucht mit ihren völlig ungesicherten, mehrere hundert Meter tiefen Steilabfälle wurden voll erfüllt.

In der Nähe der Rabenschlucht haben wir dann auch das erste mal frei in der norwegischen Natur übernachtet. Die von einem in der Nähe unseres Stellplatzes an einem Zaun arbeitenden Herrn in Aussicht gestellten Elche haben wir leider nicht gesehen, aber die Ruhe fernab jeder größeren menschlichen Ansiedlung haben wir sehr genossen. Fast müßig zu erwähnen, daß ich vor dem Abendessen noch schnell ein wneig im Motorraum herumstöberte um irgendwelche losgerüttelten Bleche als Verursacher des ominösen Geräuschs zu finden. Ohne Ergebnis.

Mit der Sichtung von Tieren generell hatten wir übrigens kein Glück! Weder die eigentlich für Skandinavien so typischen Rentiere noch Elche oder gar Bären haben wir auf der ganzen Tour gesehen – und dabei haben wir den Viechern durch unsere meist recht einsamen Stellplätze eigentlich jede Menge Gelegenheiten gegeben sich uns zu zeigen.

Auf dem weiteren Weg nach Bergen querten wir die Hardangervidda – laut den Reiseführeren das größte Gebirgsplateau Europas. Hier oben lag trotz des offenbar seit Wochen anhaltenden warmen Wetters noch ene Menge Schnee. Eine Schneeballschlacht blieb da natürlich nicht aus!

An der Stadtgrenze von Bergen ist Citymaut zu bezahlen. Es gibt an den Automaten ausschliesslich Spuren für PKW und LKW, Spuren für Womos oder Reisebusse konnte ich nicht entdecken, also habe ich mich, wie beim Zoll üblich, in die PKW-Spur eingeordnet und am Automaten die Abgabe entrichtet. Später sollte ich lernen, daß für alle Fahrzeuge über 3,5 Tonnen offenbar der LKW-Tarif zu bezahlen ist. Na, die Überwachungs-Kameras haben meinen Fehler sicher aufgezeichnet, aber ein Brief mit einer Nachforderung blieb aus.

In Bergen angekommen haben wir uns dann für zwei Nächte auf den kostenpflichtigen aber zentral und am Wasser gelegenen Womo-Parkplatz gestellt (incl. Stromanschluss für die Kühlbox und wohltuender heißer Dusche für das bessere Ich-Gefühl).
Bergen ist wirklich eine schöne, lebhafte, mit vielen jungen Leuten bevölkerte, aber auch sehr touristische Stadt. Das Aquarium (nicht nur Fische und ausführliche Erläuterungen zur Lachszucht bekommt man zu sehen, sondern auch mit Pinguinen, Robben und weitere Meeresbewohnen…) mit seinen gut gemachten Tier-Fütterungen ist gerade auch für Kinder sehr empfehlenswert. Nur Womo-Stellplätze gibt es dort keine – also unbedingt auf dem Womo-Platz stehen bleiben und mit dem Bus hinfahren.

Modell Feuerwehr

Bergen scheint übrigens ein großes Herz für Fahrzeuge des Herstellers Magirus zu haben: Auf dem Womo-Stellplatz stehend dachte ich einen Moment aus den Augenwinkel eine alte Magirus-Drehleiter vorbeifahren gesehen (und gehört) zu haben. Naja, die anderen Mitreisenden führten diese Erscheinung bei mir wohl auf die auch im Fahrerhaus ständig überaus akustisch präsente Luftkühlung des Motors zurück – aber das ich nicht ganz verrückt bin hat zum Glück später eine Stadtrundfahrt bewiesen: Denn vor der Feuerwache stand zwar nicht die vorher gesehene Magirus Doppelkabine (ein Beweisfotos für deren Existenz haben wir aber später auch noch entdeckt) – sondern ein echter Magirus-Leiterwagen von 1935, sozusagen ein Ur-Ur-Großvater meines doch immerhin 30 Jahre jüngeren Magirus.

Das ist doch mal was, oder? Eine wirklich unerwartete Familienzusammenführung im hohen Norden!

 

Mit einigen kleinen Umwegen über Schotter-Strecken und -Pässe und verschiedenen Fähren ging es dann weiter Richtung Volda.

Fährfahrt

Volda war eigentlich in unserer ursprünglichen Routenplanung gar nicht vorgesehen, wurde aber recht kurzfristig vor der Abreise doch noch in die Route mit aufgenommen. Warum? Nun, wenige Wochen vor der Abfahrt entdeckte ich auf der Mitglieder-Liste unseres Internet-Forums einen Namen dessen email-Adresse offensichtlich in Norwegen beheimatet war. Sogleich habe ich Eckart, so heisst er, eine email geschickt und nach einigen ausgetauschten emails kam eine ganz herzliche Einladung, ihn und seine Familie doch mal in Volda zu besuchen. Na, die Gelegenheit einen norwegischen Magirus Mercur anzuschauen wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen! In Volda angekomment wurden wir am Fährhafen dann von Eckart, seiner Frau Elisa und den Kindern und seinem Magirus begrüsst und ganz herzlich bei ihnen aufgenommen. Wir möchten uns für die Gastfreundschaft hiermit nochmals ganz herzlich bedanken. Der für uns getriebene Aufwand war ist uns schon fast peinlich und wir hoffen uns demnächst bei einem Gegenbesuch entsprechend revanchieren zu können! Anmerkung: Eckart ist vor einigen Jahren mit seiner Familie von Deutschland nach Norwegen ausgewandert und hat seinen ihm seit vielen Jahren schon treuen Magirus natürlich mitgenommen.

Vor dem Abendessen fuhren wir mit dem LKW dann eine kleine Runde durch die neue Heimat von Eckart. Auf steilen Feldwegen ging es u.a. zu einer Bucht in der wir unser Glück beim Fjord-Angeln versuchten. Leider waren unsere Versuche das Abendessen mit frischem Fisch zu bereichern ergebnislos, aber Spass hat es dennoch gemacht – und auch Eckart hat mit seinen „Fach-Ohren“ nochmal nach dem Getriebe-Geräusch gehorcht. Leider hat auch er keine Lösung gefunden und machte mir wenig Hoffnung, daß das Getriebe noch lange leben würde. Na sei´s drum, bisher hat es gehalten und auf den engen, kurvigen Strecken waren Geschwindigkeiten über 80 km/h sowieso kaum möglich – und im Zweifelsfall müsste eben der ADAC weiterhelfen.
Beim gemeinsamen Abendessen hat uns Eckart einen Besuch auf der Vogelinsel Runde empfohlen (www.insel-runde.de) und dem Campingplatz und den Campingplatz von Knut Goksöyr empfohlen. Na, gibt es etwas besseres als eine Insiderempfehlung? Also machten wir uns am nächsten Tag erst mal auf die Suche nach einer von Eckart empfohlenen Supermarkt-Tankstelle mit relativ günstigem Sprit und dann mit vollen Tanks auf den Weg zur Insel Runde.
Unterwegs kamen wir an einem wirklich beeindruckenden Doppel-Wasserfall, dem Latefoss vorbei. Seine beeindruckende Wassermenge und Kraft (er gischtet bis auf die Straße!) lässt sich doch nur noch von der Front eines klassischen Magirus Haubenfahrzeugs ergänzen, oder?

Wasser Marsch Die letzten Kilometer nach Runde sind aber ebenfalls ein Erlebnis für sich: Die zum Teil winzig kleinen Inselchen sind alle mit waghalsigen und meist einspurigen Brückenkonstruktionen untereinander verbunden. Aber auch auf den kleinen, manchmal nur einspurigen Strassen und Tunnels sorgt man mit unseren XXL-Autos gelegentlich für große Augen – nicht nur bei den Passanten, sondern ab und zu auch beim überraschten Gegenverkehr.

Wir sind zwar alle keine so besonderen Vogelexperten, aber was man auf Runde zu sehen bekommt ist wirklich beeindruckend und lohnt den ca. 30-minütigen Aufstieg auf die Klippen auf jeden Fall! Tips für den richtigen Zeitpunkt und den besten Weg gibt es von Knut in einem witzig gemachten „Vortrag“ in seinem kleinen Kiosk – in fliessendem Deutsch, das er ausschliesslich von den ihn besuchenden Touris gelernt haben will. Hut ab!
Nach der Klippenbesteigung haben wir alle unser Herz an die kleinen, bunten und sehr munteren Papageientaucher verloren, die auf den Vogelfelsen zu hunderttausenden leben und ihr Unwesen treiben. Zum Andenken bekamen die Kinder vor der Abfahrt von uns einen kleinen Papageientaucher als Stofftier geschenkt (Knut verkauft sie in allen Größen in seinem Kiosk).
Auf Runde hat es auch das erste mal ein ganz klein wenig geregnet – bisher hatten wir ausschliesslich schönes Wetter, und durch die ungewohnte Trockenheit begann an einigen Stellen in Norwegen bereits das Wasser knapp zu werden. Auch auf der Insel Runde machte man sich langsam Sorgen, denn man bezieht dort das Trinkwasser aus zwei hochgelegenen Speicherseen, diese wären aber nach Knuts Aussage schon fast trocken und er versuchte vergeblich in einer waghalsigen Kletteraktion hinauf zu den Seen deren Wasser in einem der beiden Seen zusammenzuleiten.

Auf dem nachfolgenden Foto sieht man einen der beeindruckenden Sonnenuntergänge auf Runde – aufgenommen ohne Filter oder ähnliches Zubehör.Die Sonne vorm Kühler

Auch nicht verpassen sollte man die spektakuläre Mövenfütterung von Knut : Mit einem großen Eimer voller Fischreste aus dem Hafen lockt er innerhalb von wenigen Minuten eine gigantische Mövenschar auf den Bootsanleger und diese Wolke aus weißen Federn stürzt sich dann laut kreischend auf das hingeschüttete Futter. Hitchcocks „Vögel“ sind nichts dagegen! Vorher hatte Knut uns gezeigt wie man einen frischen Lachs ausnimmt und zurechtschneidet, ein großes Stück des „Vorführlachses“ hat er uns geschenkt und uns noch ein paar Zubereitungstipps dazu gegeben. Ganz nach seiner Empfehlung haben wir den Fisch einfach nur mit ein wenig Öl und Salz in der Pfanne zubereitet. Er hat uns einfach köstlich geschmeckt und dabei bin ich gar kein so großer Liebhaber von Fisch!

Die Ruhetage auf Runde nutzte ich dann erneut um nochmal in, unter und um den Magirus herumzukriechen und nach dem ominösen Geräusch zu forschen. Ich öffnete sogar durch die Wartungsluken im Fahrerhaus von oben das Getriebe und suchte dort nach des Rätsels Lösung. Alles ohne Befund, nichts deutete auf einen technischen Mangel hin, zumal sich das Geräusch noch immer nicht verschlimmerte, es trat nur regelmässig einfach auf, sobald ich deutlich schneller als 80 km/h fuhr, unterhalb dieser Geschwindigkeit blieb es stumm. Aber es schabte eindeutig Metall auf Metall – und das machte mir einfach Sorgen.

Von der Insel Runde aus wollten wir uns auch die vielgerühmte „Atlantikstrasse“ nicht entgehend lassen – dort führt die Strasse nicht etwas an der Küste entlang, sondern man hat kleine, zumeist unbewohnte Küsteninselchen mit einer Vielzahl kühner Brücken mit einenander verbunden und so eine Straße vor der Küste, mehr oder weniger im Meer geschaffen. Versprochen wurde uns ein großartiger Ausblick auf den Atlantik und die Küste. Ganz in der Nähe soll es zudem auch eine Marmorhöhle („Trollkirche“ genannt) mit wunderschönen Wasserfällen im Innenraum der Höhle geben. Auch eine Sehenswürdigkeit die in unseren Reiseführern ausdrücklich empfohlen wurde. Die Atlantikstrasse war leider nicht ganz so beeindruckend wie wir sie uns vorgestellt hatten – vermutlich haben uns die vielen beeindruckenden Brücken nach Runde schon ein wenig abgestumpft, aber sehenswert ist sie auf jeden Fall!

Auf einem der Parkplätze entlang der Atlantikstrasse haben wir mehrfach übernachtet – und wurden eines Abends unfreiwillig zu einer Touristen-Attraktion: Kurz hintereinander hielten mehrere Reisebusse auf unserem Parkplatz, die Reiseführer und kleinere Gruppen der Personen aus dem jeweiligen Bus kamen zu uns spaziert und fragten nach dem „woher und wohin“, stellten Fragen zu den Fahrzeugen, den Mitreisenden, usw. Im Gespräch stellte sich heraus, daß die Touristen offenbar von der an diesem Tag in Trondheim vor Anker liegenden MS Astor kamen und dabei die Gelegenheit nutzten einen Landausflug hierher zu unternehmen. Sie stammten größtenteils ebenfalls aus Deutschland und waren natürlich angesichts unserer heimischen Kennzeichen neugierig geworden. Die aufgeschlossensten unter ihnen stellten ihre Fragen nun selbst, die anderen schickten die Reiseführer und liessen sich die Informationen dann bequem im Bus per Bord-Sprechanlage durchsagen!

Die oben schon erwähnte „Trollkirche“ hat sich dann wirklich als beeindruckend herausgestellt – leider war uns vor Beginn der laut Reiseführer angeblich einstündigen „Wanderung“ vom Parkplatz bis zur Höhle nicht ganz klar, daß wir von den 90 Höhenmetern des Parkplatzes auf gut 500 (!) Höhenmeter aufzusteigen hatten – und das auch noch auf einem Ziegenpfad der teilweise kaum als solcher zu erkennen geschweige denn ausgeschildert war und mehr einem ausgetrockneten Bachbett als einem Wanderweg glich. Wir kletterten die meiste Zeit also über Felsen, Geröll und umgestürzte Baumstämme. Von einer Wanderung konnte man da beim besten Willen nicht mehr sprechen. Wir waren daher fast 2 Stunden unterwegs – in einer Richtung! Bitha mit ihren 3 Jahren lief den Weg vollständig und nur mit gelegentlicher Unterstützung nach oben und zeigte auch am nächsten Tag keinen Anflug von Muskelkater! Die kleine Jo hatte es da deutlich bequemer – sie saß in ihrem Tragerucksack und ließ sich von Elke den Berg hochschleppen (die hatte am nächsten Tag aber Muskelkater!)
Nach 5 Stunden, inkl. einer einstündigen Besichtigung der Höhle mit Taschenlampen und Gaslaterne, kamen wir fix und fertig wieder bei den Womos an und waren erstmal bedient. Tabitha hatte ab der zweiten Hälfte des Abstiegs verständlicherweise keine Lust mehr und war offensichtlich sehr müde, aber als wir die Laster wieder sehen konnten da war ihre Müdigkeit wie verflogen und sie rannte den Rest des Weges zu ihrem geliebten „Dius“.

Und hier, nach weit mehr als der Hälfte unserer Reise bahnte sich dann auch die Lösung der noch immer nicht entdeckten Ursache des Schleifgeräusches an – nach einer Übernachtung in der Nähe der Nähe der Trollkirche, auf einem steilen, geschotterten Pass mit Namen Roksetskaret, fuhren wir morgens über ein kurzes Stück wellblechartiger Piste. Und dabei hörte ich, genau im Takt des Wellblechs, das Geräusch das erste mal auch bei langsamer Geschwindigkeit. Also musste, ganz eindeutig, doch etwas am Unterboden des Fahrzeugs lose sein und es konnte demnach mit dem Schaltgetriebe und dem Antriebsstrang eigentlich nicht allzuviel zu tun haben. Zu einer genaueren Inspektion blieb mir hier an diesem Tag keine Zeit, aber während der Weiterfahrt keimte dann bereits ein Verdacht in mir auf!

 

SchilderwaldNach dem Besuch der Atlantikstrasse und der Trollkirche wurde von uns dann auch die Entscheidung getroffen nicht weiter Richtung Norden bzw. Trondheim zu fahren. Wir hatten uns die Stadt auf einer groben Strassenkarte einfach mal als nördlichsten Zielpunkt unserer Tour gesetzt, kannten aber keinen so triftigen Grund für einen Besuch der Stadt selbst. Also machten wir nun eben kurz vorher kehrt und fuhren ab nun wieder mit Hauptrichtung Süden dem letzten Teil unseres Norwegen-Urlaubs entgegen. Und schon kurz darauf erfuhr unsere ja bewusst flexibel geplante Route eine weitere Änderung:

Das unsere Fahrzeuge nicht im klassischen „Campingweiss“ lackiert sind und sich auch von der Form her deutlich aus der Masse der Campingfahrzeuge hervorheben, führte natürlich zu einer erhöhten Aufmerksamkeit sowohl bei den anderen Campern wie auch bei den Einheimischen! Mehrere Norweger haben sich wirklich sich die Mühe gemacht uns ein paar Minuten hinterherzufahren um uns dann beim nächsten Stop auf die Lastwagen und speziell den Magirus anzusprechen – was umso erstaunlicher ist, als das mein Wagen derzeit keinerlei Markensymbole oder Typenbezeichnungen trägt! Es sprach also für ihre Kenntnisse und ihre Begeisterung, und wenn sie dann erzählten, daß sie früher selbst ein solches Fahrzeug im Baubetrieb oder sogar im Winterbetrieb als Schneeplug gefahren hatten dann schwärmten sich auch alle von der Zuverlässigkeit der damaligen Fahrzeuge! Bei einem solchen Gespräch mit einem Einheimischen bekamen wir von ihm die ganz dringende Empfehlung uns doch unbedingt auch den Geiranger-Fjord anzuschauen! Da er nicht der erste war der uns das sagte, wurde also der Geiranger-Fjord als nächster Stop in unsere Route eingeplant. Das auf dem Weg dorthin der berühmte Trollstigen lag, kam uns nur entgegen, wird er doch als extrem schöne und extrem steile, mit Wasserfällen garnierte Serpentinenstrecke beschrieben – gleichzeitig aber wurde sie eben auch wegen ihrer vielen engen Kurven als „Schrecken aller Womofahrer“ bezeichnet. Na, wie man sich schon denken kann: Uns hat die Strecke gerade wegen der Herausforderung viel Spass gemacht und weder wir, noch unsere „Womos“ hatten das geringste Problem mit der Auffahrt – und das obwohl speziell mein Fahrzeug mit seinen sieben Metern Länge und mangels Servolenkung und Getriebesynchronisation nicht gerade als „handlich“ bezeichnet werden kann.

Nach der erfolgreichen Bewältigung der Serpentinenstrecke und wirklich beeindruckender Besichtigung der Strecke fast aus der Vogelperspektive vom Aussichtspunkt aus (es gibt wirklich Radfahrer die hier hochfahren!), konnte ich oben auf dem Parkplatz des Trollstigen nun endlich nochmal unter das Auto kriechen und nun endlich den Verursacher des Geräusches „dingfest“ machen: Ein Stück Antriebswelle der Feuerwehrpumpe war beim Umbau des Fahrzeugs zwangsläufig am Schaltgetriebe verblieben. Dieses Stück Welle war mit einem Lüfterrad ausgestattet und hat offenbar ab 80 km/h genug Fahrtwind bekommen um sich eigenständig in Bewegung zu setzen und dabei das Schleifgeräusch zu erzeugen. Also habe ich es mit einem Lappen gepolstert und mit einigen Kabelbindern befestigt um weitere Geräusche und Bewegungen zu unterdrücken – und die Aktion war ein voller Erfolg!! Man kann sich kaum vorstellen was es für ein erleichterndes Gefühl war nun endlich wieder ohne Geräusch ein wenig zügiger fahren zu können! Und wieviele Steine fielen mir von der Seele, denn ich fürchtete ja ständig einen Defekt im Getriebe der den Urlaub jederzeit beenden könnte! Mit Bithas unglücklicher Fussbewegung auf der Autobahn ganz am Anfang der Reise hatte das Geräusch also absolut nichts zu tun!! Offen bleibt aber, warum sich die Welle die ganzen Jahre vorher nie gedreht hat und ausgerechnet ca. 20 Minuten nach dem Vorfall anfing sich das erste mal akustisch bemerkbar zu machen!
Naja egal, die Fahrt zum Geiranger-Fjord verlief somit wieder im gewohnten, höheren Reise-Tempo. Die Fahrt macht dann, gemeinsam mit der Erleichterung, gleich doppelt so viel Spass! Der Abstieg zum Fjord führt auch wieder in steilen und engen Serpentinen bergab, ein weiterer Test für die Bremsen unserer Nutzfahrzeuge. Die sind allerdings für viel höhere Fahrzeuggewichte und damit Belastungen ausgelegt und führten daher auf der ganzen Reise nie zu Problemen. Einen Teil der Passstrassen konnte ich bergab dank der serienmässigen, pneumatisch betätigten, Rückstauklappen im Auspuff, sogar mit relativ hohen Geschwindigkeiten im dritten Gang bewältigen ohne vor den Kurven auch nur ein einziges mal das Bremspedal antippen zu müssen! Nebenbei hat der LKW mit betätigten Rückstauklappen einen wunderbar grollenden Sound, so das man diese verschleissfreie Hilfs-Brems-Einrichtung immer wieder gerne nutzt!

Der Geirangerfjord aber war trotz seiner relativ starken touristischen Ausrichtung (wir hatten nach dem Lesen unserer Reiseführern mit dem schlimmsten gerechnet) wirklich eine Überraschung für uns alle gewesen – eine positive Überraschung, denn so stellten man sich wirklich einen Fjord vor: Tief eingeschnitten, mit einer Vielzahl Wasserfällen an den Seiten und einem weißen Kreuzfahrtschiff in der Mitte. Keiner der bisher gesehen Fjorde kam dem Bilderbuch-Fjord so nahe wie der Geiranger! Das nachfolgende Foto habe ich von einem Aussichtspunkt in einer Serpentine wirklich selbst aufgenommen (und es nicht etwa von einer Postkarte abfotografiert) !!

Fjord-Norwegen

Auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz gerieten wir ganz zufällig auf einen wunderschön, direkt am Wasser liegenden Campingplatz (www.grandefjord.com), betreut von einem sehr netten, älteren Herrn namens Hank van der Weil. Als er uns ankommen sah, wurden wir sogleich mit einem freundlichen „Guten Tag“ und„bei uns gibt es aber keine Katastrophe“ begrüsst. Er bezog sich damit auf die bei meinem Fahrzeug auf den Türen noch vorhandene Katastrophenschutz-Beschriftung.
Eigentlich wollten wir ja nur eine Nacht bleiben, aber der Stellplatz direkt am Wasser, die überwältigende Aussicht, das noch immer recht schöne Wetter, und die kinderfreundliche Ausstattung des Platzes, bewogen uns dann doch noch ein paar Tage länger zu bleiben.

Hier auf dem Campingplatz haben wir übrigens auch das erste und einzige lebende Wilddtier Norwegens gesehen: Einen Delphin! Er jagte offensichtlich im Wasser des Fjords nach Beute und drehte dazu mehrere Runden auch in der Nähe unseres Stellplatzes. Ich hätte wirklich viele Tiere in Norwegen erwartet, aber ein Delphin, noch dazu in einem Fjord so weit im Landesinneren, wäre mir vermutlich als Letztes eingefallen!
Ach noch was: Hank vermietet am platzeigenen Bootssteg auch kleine Motorboote mit Aussenbordmotoren (von 4 bis 30 PS – alle bei Bedarf auch führerscheinfrei!) – und so machten wir uns auch mal einen Nachmittag lang daran den Fjord auf eigene Faust und von der Wasserseite aus mit einem seiner Boote zu erkunden.
Wie auf den anderen Plätzen auch, wurden wir und unsere Fahrzeuge von den restlichen Campingplatzbesuchern genauer in Augenschein genommen, meist im Rahmen des abendlichen Spaziergangs in Trainingshosen und Badelatschen. Man kam abends kaum rechtzeitig zum Abendessen, wurde man doch immer wieder, meist sehr freundlich, nach den Fahrzeugen und der Reise befragt! Zwei junge Männer allerdings schienen vom Fach zu sein und das Gespräch wurde schnell intensiver, bis sich dann herausstellte, daß sie mit ihrem ebenfalls selbst ausgebauten Fahrzeug nur einen Campingplatz weiter standen. Das Fahrzeug war ein selbstausgebauter Allrad-Bus des ehemaligen, ostdeutschen Herstellers Robur! Sie würden uns am nächsten Tag gerne mal besuchen kommen um eine Erinnerungsfoto des seltenen Zusammentreffens zu schiessen und ein paar Erfahrungen auszutauschen. Klar freuten wir uns über den Besuch, Selbstausbauer und dann noch Allradfahrer – da hat man sich was zu erzählen!

TreffpunktVom Geiranger-Fjord aus ging es dann ein paar Tage später weiter Richtung der kleinen Stadt Lom. Aber auch dazu ist erst wieder, noch direkt am Fjord, ein steiler Aufstieg zu bewältigen der auch von Fahrradfahrern wieder gerne als Herausforderung gesehen wird.
In Lom sollte es laut dem Womo-Reiseführer ein Hotel-Restaurant mit einem ganz feinen, typisch norwegischen Mittagsmenü geben. Na, zumindest einmal in der ganzen Zeit mussten wir ja in einem Restaurant speisen, sonst wäre es kein echter Urlaub gewesen, oder? In Lom gibt es einen großen Parkplatz mit vielen Touri-Infos und auch genügend Platz für PKWs, Reisebusse und Womos. Auf dem Weg zum Hotel, geht es auf Holzbrücken über ein paar wirklich beeindruckende Stromschnellen eines kleineren Flusses! Im Hotel, dem „Fossheim Turisthotel“ gibt es das im Reiseführer beschriebene Mittagsbuffet wirklich noch und auch die Preise waren auch noch annährend wie geschildert (umgerechnet ca. 25,- Euro pro Person, Kreditkarten werden akzeptiert). Rundgefuttert von den guten, wirklich typisch norwegischen Speisen (Fisch, Ren, Elch, Süßspeisen,…) machten wir uns dann noch auf in Richtung Dovrefjell. Dieses teilweise unter Naturschutz stehende Gebiet beheimatet neben wilden Rentierherden auch wilde Moschusochsen und natürlich auch Elche. Hier wollten wir den typisch norwegischen Tieren nochmals eine Chance geben sich uns zu zeigen.
Kurz vor dem Dovrefjell fiel uns nicht weit von der E6 (also der Asphaltstrasse) entfernt eine schöne Schotterpiste auf – direkt durch die wunderschöne Landschaft des Fjells. Bei der Suche nach der Zufahrt zu diesem Gebiet landeten wir vor einem großen Schild. Sinngemäß war dort zu lesen: Militärisches Sperrgebiet, Zufahrt nach „Snoheim“ nur mit schriftlicher Erlaubnis durch den Posten.
Na, mit mehr als mit einem Tritt in den Allerwertesten konnten sie uns kaum bedenken, einen Versuch wäre es jedenfalls wert fanden wir. Beim Militär-Posten brachte ich höflich vor, daß wir gerne nach Snoheim fahren würden (ich hatte keine Ahnung was sich hinter dem Namen verbarg!) und ob und wie das denn machbar wäre. Der Posten erklärte, daß das überhaupt kein Problem wäre und wir gegen eine kleine Gebühr von umgerechnet 3,- Euro pro Fahrzeug von ihm eine Magnetkarte bekämen die uns die Schranke an der etwas weiter entfernten Zufahrt öffnen würde. Vorsichtig fragte ich wie es denn mit Foto- bzw. Video-Aufnahmen aussehen würde (schliesslich handelt es sich ja um ein militärisches Sperrgebiet). Seine Antwort: Klar das wäre keine Problem. Überrascht aber dennoch vorsichtig fragte ich weiter, ob wir eventuell dort oben einmal übernachten könnten – auch dies war zu unserer erneuten Überraschung kein Problem. Na, dann los! Übrigens wäre das wäre doch mal ein gutes Vorbild für Deutschland: Gegen geringe Tagesgebühr ein frei befahrbares Militärgelände in einem Naturschutzgebiet. Und das ohne irgendwelche Fragen nach Grund der Reise, Anzahl der Personen, Pässen und sonstigen Kontrollen!

Nach Snoheim, offenbar einer Ansammlung kleiner, verlassener Häuser, kamen wir zwar nicht denn die Piste war, offenbar wegen der bevorstehenden Kälbergeburt bei den Moschusochsen, leider gesperrt, aber alle anderen Pisten, ein schönes Sandloch und auch eine kleine Furt wurden von uns ausgiebig getestet und zu ausgiebigen Foto- und Video-Sessions genutzt. Auch wenn es ziemlich kalt und windig war und auch wenn wir kein einziges Wildtier gesehen haben, einen tollen Nachmittag in einer beeindruckenden Landschaft haben wir dort auf jeden Fall verbracht !

 

Straßenstimmung Aufgrund des kalten Windes haben wir uns dann doch nicht zu einer Übernachtung auf dem Gelände durchringen können, zumal Elke schon auf der Hinfahrt einen anderen schönen Übernachtungsplatz am Rande der Straße, aber doch ein wenig abseits und abgeteilt durch hohe Büsche für uns entdeckt hatte.
Dieser Parkplatz führte uns mit einem deutschen Herrn zusammen der auch in der Zeit in der wir uns dort aufhielten mehrfach Elche und sogar eine Elchkuh mit Kalb, gesichtet haben will – uns ist es allerdings leider ausser einer Unzahl an Mücken nicht gelungen irgendwelche Tiere zu sichten, und das obwohl wir uns eine gute Stunde lang mit Videokamera und Ferngläsern auf die Pirsch begeben hatten.

Nach dieser Übernachtung im Dovrefjell sollte es dann direkt wieder nach Oslo gehen – einfach entlang der E6 immer nach Süden.
Am Morgen ist mir noch ein Kabel der Vorglühanlage durchgeschmort, das Anlassen bei den an diesem Tag etwas kühleren Temperaturen verlief entsprechend rauh, aber wenn er mal läuft….

Da ich Tanken muss suchen wir unterwegs nach der nächsten Tankstelle. Mitten im Wald taucht eine Statoil-Station auf. Ich fahre sie an und entdecke gleich die eingeschaltete, etwas abseits liegende Zapfsäule für steuerfreien Diesel, der eigentlich nur für Traktoren und ähnliche Fahrzeuge sowie Standheizungen gedacht ist. Na, der Preisunterschied (normal 1 Euro, steuerfrei dann ca. 0,6 Euro) und die recht einsame Lage im Wald ist so verlockend, daß ich es riskiere: Ich frage beim Tankwart nach, im ist es egal was ich tanke und so schnell es geht mache ich alle meine Tanks voll. Nachdem ich fertig bin schaue ich auf – und stelle fest, das nicht nur Klaus hinter mir ansteht, sondern weitere drei deutsche Womos sich auch schon angestellt haben um von dieser günstigen „Quelle“ zu profitieren!
Zu meiner Überraschung war der Dieselkraftstoff übrigens hellgrün und damit offenbar nicht speziell eingefärbt (irgenwer sagte mir, daß der steuerfreie Diesel in Norwegen wie in Deutschland auch rot eingefärbt wäre). Na, da ich aus anderen Ländern schon Schreckensberichte von üblen Kontrollen inkl. Taschendurchsuchung des Fahrers gehört habe wollte ich kein zu großes Risiko eingehen und habe die Tankquittung lieber erst mal im Handschuhfach versteckt und nicht zu den anderen Quittungen in den Geldbeutel getan.. Aber aufheben wollte ich die Rechnung schon, denn falls doch irgendein Nachweisstoff im Sprit wäre und ich in Deutschland kontrolliert würde, wollte ich einen Nachweis über die Herkunft des Treibstoffs haben. Naja, ich habe die Aktion recht schnell wieder vergessen.

Auf halber Strecke nach Oslo suchten wir dringend einen schönen Rastplatz für unsere Mittagspause. Es wird eine längere Suche obwohl wir auf der Gegenspur einige sehr verlockende Rastplätze, teilweise sogar direkt am See, zu sehen bekommen. Aber auf großen Schildern wurde extra davor gewarnt auf dieser stark befahrenen Straße mal schnell illegal nach links in einen solchen Parkplatz abzubiegen. Also nutzen wir den erst und auch recht schönen Parkplatz auf der rechten Seite und überraschen gerade eine Truppe des „Statens Vegwesen“ die sich zu einer LKW-Kontrolle vorbereitet. Na, die haben sich in ihrer Überraschung gleich auf uns, zimdest aus ihrer Sicht, freiwilligen Opfer gestürzt. Meine Papiere wurden kontrolliert, das Lenkungsspiel wurde geprüft und ich sollte im Stand dreimal kräftig auf das Bremspedal treten (warum ist mir bis heute völlig unklar) – und schon war die Kontrolle beendet!
Erst hinterher fiel mir ein, daß die Herren ja unter Umständen auch einen Blick in die randvollen Tanks hätten werfen können und vielleicht doch irgendwie erkannt hätten, daß der Sprit nicht legal war. Wie gut das mir das erst hinterher eingefallen ist!

Am Montag den 17.06. trafen wir dann abends wieder auf dem guten alten Ekeberg-Campingplatz ein, auf dem unsere Norwegen-Tour begonnen hatte. Einen Ruhetag haben wir uns gegönnt, dann hat Elke zusammen mit Jo und Klaus noch einen weiteren Oslo-Besichtigungstag eingelegt, Bitha und ich blieben am Magirus. Bitha sollte ihren Mittagsschlaf machen und auch ich habe mich für ein paar Minuten hingelegt. Ich wache auf – und das Kinderschlafzimmer ist leer. Bitha ist im gesamten Wohnraum des Fahrzeugs einfach nicht auffindbar. Ich suche ums Auto herum und eile dann zum Kinderspielplatz auf der anderen Seite des Campiungplatzes. Aber auch hier: Keine Bitha zu sehen!! Mir wird es heiss und kalt, wo kann das Kind nur stecken? Ich kehre zum LKW zurück und da mich die Sonne blendet, hole ich mir aus dem Handschuhfach des Fahrerhauses meine Sonnenbrille – ich reisse die Fahrhaustüre auf, will nach dem Handschuhfach greifen – da schaue ich in zwei große, braune, ganz erstaunt blickende Kinderaugen! Bitha ist wohl aufgewacht, hat das kleine Schiebefenster welches den Wohnraum mit dem Fahrerhaus verbindet geöffnet und ist dann ganz leise vom Kinderzimmer direkt auf den Fahrersitz geklettert. Dort saß sie die ganze Zeit über fast geräuschlos und hat gespielt! War das eine Erleichterung!

Am Abend des zweiten Oslo-Tages wollten wir noch einen weiteren Tipp aus dem Womo-Reiseführer testen: Ein ruhiger, kostenloser Stellplatz, zu Füßen des Osloer Fersehturms, direkt an einem Badesee gelegen und mit einer tollen Aussicht über die Stadt! Und tatsächlich, der Reise-Führer hat nicht übertrieben! Es gab zwar auch noch ein paar wenige andere deutsche Womos, die wohl alle genau diesen Reiseführer gelesen hatten, aber wir standen ruhig auf unserem eigenen großen Parkplatz und verbrachten eine prima Nacht!
Am nächsten Morgen (Donnerstag den 20.06.), kurz nach dem Frühstück, kommt langsam ein Fahrzeug mit Dieselmotor den Berg zu uns hochgeklettert – und was sehe ich da um die Kurve kommen? Unsere Bekannten vom Geiranger-Fjord mit dem Robur-Bus! Sie hatten nur wenige Kurven unterhalb unseres Platzes übernachtet und wollten nur nochmal ein paar Meter höher die Aussicht geniessen – na, das war vielleicht ein Wiedersehen!

Zu beachten ist bei solchen Touren in und um Oslo eines: Beim Einfahren in die Stadt Oslo ist City-Maut zu bezahlen. Fährt man also erst zum Ekeberg-Camping zahlt man die Maut weil man die Stadt durchquert. Fährt man am nächsten Tag zum Fernsehturm, so muss man spätestens auf dem Weg zurück in den Hafen nochmal Maut bezahlen (und wer sich in den Straßen verfährt und Pech hat, der zahlt die Maut im Zweifel gleich zweimal, wenn er die Quittung nicht aufbewahrt!). Übrigens: Wer mit der Fähre im Hafen ankommt, zahlt keine City-Maut!

Ganz sicher waren wir und ob der Legalität unseres Stellplatzes nicht, aber wir hatten gegen Mittag noch ein Gespräch mit der Polizei und der von uns gewählte Stellplatz schien sie nicht zu stören. Wie das Gespräch zustande kam? Tja, das kam so: Der Stellplatz ist wie gesagt relativ ruhig und nur wenige Häuser stehen in der näheren Umgebung. Da hören wir plötzlich den markerschütternden Schrei einer Frau – sie scheint offenbar in höchster Panik zu sein. Die Richtung des Schreis war schwer zu lokalisieren, aber nachdem sich der Schrei mehrfach wiederholte, konnten wir die Richtung doch einigermaßen lokalisieren und ich griff zum Mobiltelefon und rief über die internationale Notrufnummer für Mobiltelefone (112) die Polizei an. Auf englisch konnte ich den Grund meines Anrufs und auch meinen Standort erklären und man versprach mir einen Streifenwagen zu schicken. Kurz darauf erscheint ein Streifenwagen – der telefonisch beschriebene rote Feuerwehr-LKW ist für sie auf dem Parkplatz natürlich leicht auszumachen. Die Herren sprachen sogar Deutsch und waren sehr freundlich! Als ich ihnen das Haus zeigte aus dem die Schreie kommen, sind sie ein klein wenig erleicht, denn es scheint sich, so erklärten sie mir, um eine Nerven-Klinik zu handeln. Dennoch wollten sie der Sache mal nachgehen um sicher zu sein, daß dort alles ok ist. Fast eine Stunde blieben sie im Gebäude und schienen sich wirklich sehr genau um den Fall zu kümmern. Die Schreie hörten dann auch sehr schnell auf!

Abends fuhren wir dann quer durch Oslo zur Fähre und wir genossen bald darauf die superheiße Dusche in unserer Kabine an Bord des Schiffs der Stena-Line – welch eine Wohltat!

Die Rückfahrt ist übrigens eine Nachtfahrt. Nachts ist die Buchung einer Kabine Pflicht, aber da die Nachtfahrt auch ein wenig länger dauert, hat man genug Zeit um vernünftig zu schlafen. Als Abendessen haben wir auf der Fähre dann das All-You-Can-Eat- (und all-you-can drink)-Angebot des Bordrestaurants angenommen. Mit ca. 30,- Euro pro Person ist das zwar nicht ganz billig, aber wirklich superlecker und mit einer sehr großen Auswahl an Speisen und Getränken – incl. verschiedenen Bieren und Weinen!!! Also durchaus zu empfehlen!

In Frederikshavn angekommen steht uns dann wieder die fast zweitägige, überwiegend langweilige Autobahnfahrt bis nach Süddeutschland bevor.

Südlich von Hamburg waren wir dann mal wieder auf der Suche nach einem schönen Übernachtungsplatz. Autohöfe haben sich da schon mehrfach bewährt, da sie nicht direkt an der Autobahn liegen und meist eine sehr gute und auch auf LKWs ausgerichtete Infrastruktur haben – bei Soltau-Süd sind wir dann auf einen ganz besonders tollen Autohof gestossen. Er bietet gleich zwei Restaurants die 24 Stunden am Tag geöffnet haben: Eines „gut bürgerlich“ und das andere ein gut gemachter „Diner“ mit allerlei typisch amerikanischen Gerichten (Chicken Wings, Spareribs, Hamburger,…) zu wirklich sehr vernünftigen Preisen, dabei kann man dann bei warmen Wetter draussen sitzen, Evergreens höhren und so einen tollen Urlaubsabschluss geniessen. Was will man mehr? (www.daisysdiner.de)

Tja, und am Samstag den 22.06.02 sind wir wieder zuhause eingetroffen. Haben mehr als. 4.500 km gefahren – viel gesehen, mit vielen Leuten gesprochen, haben fast 3 Stunden an Videomaterial erstellt, etliche Fotos gemacht und wir werden sicher noch lange Zeit und immer wieder gerne an diesen tollen Urlaub zurückdenken.

Gleichzeitig wollen wir uns auch bei Klaus für seine Geduld und Flexibilität, für die unzähligen und ohne Murren ertragen Pipi-Pausen, die mehrfachen, teilweise kurzfristig vereinbarten Aufenthaltsverlängerungen, die regelmässig durch Bitha gestellte Frage nach einem Keks oder einer Mitfahrgelegenheit in seinem LKW und auch die Geistesgegenwart sie gelegentlich einfach an die Hand zu nehmen und mit ihr zu spielen, wenn sie mal wieder ihre „Zickenphase“ hatte. Einen besseren Mitfahrer kann sich eine Familie mit kleinen Kindern nicht wünschen!

Kind und KegelWas gibt es sonst noch zu berichten?

Die Kinder:
Auch wenn wir die Kinder nicht die ganze Zeit angeschnallt lassen konnten und mussten (die Rückbank der Kinder steht mit dem Rücken zur Fahrtrichtung und ist somit von der Anschnallpflicht befreit) war die Fahrerei doch eine ganz schöne Anstrengung für sie und auch für Elke, die hinten im Wohnbereich mindestens 50 mal die Geschichte vom Räuber Hotzenplotz Teil 1 und weitere Hörspiele ertragen musste!
Wenn die Kinder dann mal „frei“ waren schauten sie mir gerne beim Fahren zu – und das sah dann meist so aus…

Die Fjord-Fähren:
Mein Fahrzeug hat genau 7 Meter Länge, der Wagen von Klaus ist kaum mehr als 6 Meter lang. Er kam dadurch auf den Fähren meistens mit dem deutlich günstigeren PKW-Tarif davon – da mein Laster aber einiges flacher ist und somit auch optisch deutlich länger wirkt, musste ich dagegen meist wirklich meine vollen 7 Meter Länge und damit den LKW-Tarif bezahlen. Ein Preisunterschied an den ich mich bei einer Fähre erinnere: Klaus zahlte ca. 10,- Euro und ich fast 25,- Euro. Heftig, oder?

Zubehör:
Nicht gelohnt hat sich dagegen die extra mitgenommene Winterausrüstung für mein Fahrzeug. Die Reiseführer hatten die Mitnahme z.B. von Schneeketten auch für die Sommermonate extra empfohlen – gebraucht haben wir sie und auch die andere Ausrüstung (siehe Bild unten) aber nie !!

Kollege im Einsatz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Skandinavien, wir sehen uns wieder, garantiert!

Markus

Markus Koebler